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Börninghausen, Büscherheide und Eininghausen.

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Hilfe: Evangelische Jugend Börninghausen und Bad Holzhausen spendet Hälfte des Erlöses aus Tannenbaumaktion für ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in Pr. Oldendorf

Gutes tun, um Hilfe vor Ort leisten zu können: Knapp 100 Ehrenamtliche haben einen Vormittag lang in Bad Holzhausen und Börninghausen Tannenbäume und Spenden eingesammelt. 3.500 Euro kamen so zusammen, die Hälfte des Geldes - 1.750 Euro - spendete die evangelische Jugend aus Börninghausen und Bad Holzhausen jetzt an den Arbeitskreis Asyl PrO.

Beim Café International im umgestalteten Gemeindehaus in Börninghausen treffen sich die jungen Männer, die jetzt in der Unterkunft in der alten Grundschule wohnen, gern zum Kickern und Quatschen, auch einige Eggetaler sind immer dabei.

 

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Freude im Café International

Im Gemeindehaus in Börninghausen übergaben Maria Truschkowski und Jan Patrick Lübbert (in blauen Polo-Shirts) den symbolischen Scheck an die Aktiven des Arbeitskreises Asyl PrO. Mit dabei waren auch einige Neu-Börninghauser. | © Sandra Spieker

 

Dieses Mal hatten Jan Patrick Lübbert und Maria Truschkowski von der evangelischen Jugend in Bad Holzhausen und Börninghausen eine frohe Botschaft im Gepäck - genauer gesagt einen großen Scheck für den Arbeitskreis Asyl PrO. "Wir haben gemeinsam überlegt und gesagt, es ist wichtig, hier vor Ort zu helfen", sagt Jan Patrick Lübbert.

Sonst floss der Erlös aus der Tannenbaum-Aktion, die die evangelische Jugend seit Jahrzehnten durchführt, immer komplett in die Jugendarbeit der Kirchengemeinden. Doch angesichts der derzeitigen Flüchtlingssituation habe man sich dieses Mal anders entschieden, so Lübbert. Die Hälfte geht daher an die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in Pr. Oldendorf.

Die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Asyl PrO freut das natürlich sehr. "Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung", sagen sie. Der Arbeitskreis will dort helfen, wo das Budget der Stadt an Grenzen stößt. Derzeit werde dringend Geld für den Sprachunterricht, für Fahrkarten und für Kinder(erst)ausstattung benötigt. Auch sollen Integrationsbroschüren in mehreren Sprachen erstellt und weiteres Material für die neue Fahrradwerkstatt angeschafft werden.

Die Kirchengemeinde Börninghausen etwa sei ein großer Unterstützer für die Flüchtlingsarbeit, sagen die Aktiven des Arbeitskreises. So veranstaltet die Kirchengemeinde etwa das wöchentliche Café International im Gemeindehaus Börninghausen in Eigenregie. Der Arbeitskreis Asyl PrO Sucht weiterhin Ehrenamtliche zur Verstärkung, vor allem auch Hauspaten.

 

Information

Drei Treffpunkte Drei Begegnungscafés gibt es im gesamten Stadtgebiet Pr. Oldendorf: Das Café International im evangelischen Jugendzentrum an der Spiegelstraße in Pr. Oldendorf findet jeden Mittwoch in der Zeit von 16 bis 18 Uhr statt. Zur gleichen Zeit wurde jetzt auch ein Begegnungscafé im städtischen Jugendtreff an der Langenhegge eingerichtet, um das gut besuchte evangelische Jugendzentrum zu entlasten.

In Börninghausen gibt es seit Januar jeden Montag von 17 bis 19 Uhr das Café International im Gemeindehaus (An der Kirche). Es findet in Eigenregie der örtlichen Kirchengemeinde statt.

 Was den Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Asyl PrO immer noch fehlt, ist ein Lager-/Büroraum. Auf der Internetseite des Arbeitskreises gibt es auch ein Forum, in dem sich Ehreamtliche schnell und unkompliziert austauschen können: www.ak-asylpro.de

Über Lesbos und den Balkan: Journalist Mohammad Ghunaim (25) ist aus Syrien nach Deutschland geflohen.

Mohammad Ghunaim sitzt am Schreibtisch.  Auf dem Globus zeigt er die 4000 Kilometer lange Route, die ihn nach Deutschland geführt hat. Vor drei Monaten flüchtete er aus Syrien  vor  Bomben,  Terror und  Perspektivlosigkeit. Der 25-jährige Journalist hat seine Reise von Damaskus über den Balkan bis nach Börninghausen mit Bildern dokumentiert.

 

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Der Kniefall von Lesbos
Dieses Foto hat Mohammed Ghunaim nach der Schlauchboot-Fahrt auf die Insel gemacht. Zu sehen ist auch, wie ein Helfer zwei Kinder an Land bringt.


Waffen und Gewalt
Seine  Motivation zur Flucht sei vor allem eins gewesen: »Angst«, sagt Ghunaim. Angst vor dem IS, vor Waffen und Gewalt. »In Syrien hat sich durch den Krieg alles verändert. Unsere Heimat wird es sehr schwer haben. Ich sehe die Ereignisse dort als einen kleinen Weltkrieg, denn es sind viele Parteien involviert. Das Leben dort ist sehr hart«, sagt Mohammed Ghunaim. Er beschloss, aus dem Chaos zu  fliehen: »Meine  Eltern  wissen, dass ich mir immer sehr genaue Pläne mache, und dass ich vernünftig bin. Es war aber trotzdem sehr schwer, ihnen von meinen Plänen zu erzählen.«

Leben vor dem Krieg
Ghunaim hatte in Damaskus studiert und seinen Bachelor im Fach Medien, PR und Werbung erworben. Für das »Syrian Arab Red Crescent« (SARC), das Pendant des Deutschen Roten Kreuzes in  Syrien, war Ghunaim journalistisch als Informationsmanager tätig. Trotz seines festen Jobs verdiente er nur 150 US-Dollar im Monat. Zu wenig. Es reichte nicht, um auch noch seine Eltern Hatem (55) und Amal (50) finanziell zu unterstützen. »Mein Vater ist Bäcker. Er wurde krank und verlor seinen Job. Meine Mutter ist Lehrerin, doch auch in diesem Beruf verdient man in Syrien nur wenig Geld«, erzählt Ghunaim. In der persischen Sprache bedeutet der Vorname seiner Mutter Hoffnung. »Das  war  für  mich  ein  Ansporn, denn ich wollte das Leben für uns alle verbessern.«

Die erste Etappe
Flucht Mohammed 2Von  Damaskus  aus machte er sich auf den Weg, durchquerte den Libanon auf dem Weg in die Türkei. »Ich hatte im Gepäck nur wenig Kleidung, ein Erste-Hilfe-Set, Schul- und Universitätszeugnisse und eine Bauchtasche mit Pass, Papieren und Geld.« In Istanbul traf Mohammed Ghunaim seinen jüngeren Bruder Abdullah (21) wieder, der bereits zwei Jahre zuvor sein Glück im Nachbarland gesucht hatte. »Wir haben uns kaum wiedererkannt. Es war ein großes Glück, ihn endlich wieder in die Arme zu schließen.« Die Lebensbedingungen in der Türkei seien für die Brüder schwierig gewesen. »Abdullah verdiente etwa 20 Dollar für 16 Stunden Arbeit als Fischer. Wir mussten auf der Straße schlafen. Uns ist schnell klar geworden, dass wir nach Europa müssen, um unser Leben wirklich zu verbessern.«

Der Daumen auf Damaskus, der Zeigefinger in Deutschland: Mohammed Ghunaim hat 4000 Kilometer zurückgelegt. Foto: Kai Wessel


Das 1300-Dollar-Ticket
In der türkischen Küstenstadt Izmir kauften sich die Brüder für 1300 Dollar pro Person ein Ticket für die Überfahrt über die Ägäis auf die griechische Insel Lesbos. Nach drei Nächten, in denen sie versteckt in der Wildnis  gekauert und abgewartet hatten, gaben die Schmuggler  das  Signal  zum  Aufbruch:  Im  Morgengrauen  bestiegen  Abdullah  und  Mohammed Ghunaim ein kleines Boot, das sie und  50  andere  Menschen  nach Lesbos  brachte.  »An  Bord  waren auch Frauen und Kinder, die große Angst hatten und viel geweint haben. Für mich waren das die längsten  40  Minuten  meines  Lebens.« Momente wie die Ankunft auf Lesbos hat Mohammed Ghunaim festgehalten.  Mit  seiner  Videokamera hat er unzählige Fotos und Videos auf  seiner  Reise  gemacht.  »Ich
wollte  dokumentieren,  wie  die Flucht für viele tausend Menschen wirklich aussieht.«

Die Balkan-Route
Über  Athen  fuhren  die  Brüder weiter nach Mazedonien und Serbien, bis nach Kroatien. »Bis dahin haben  wir  schon  schlimme  Verhältnisse in den Flüchtlingscamps gesehen. Es gab wenig Essen und viel Ärger«, sagt Mohammed Ghunaim.  In  Kroatien  und  Slowenien habe er sich wie ein Verbrecher gefühlt: »Wir wurden stark bewacht. Im Lager fühlte es sich an wie in einem  Gefängnis.  Wir  haben versucht, die Lage zu organisieren.
Die Helfer waren überfordert und haben  sich  über  unsere  Hilfe  gefreut. Es geht darum, wie viel man geben kann, und nicht darum, wie viel man nimmt.« Über Österreich (»In Wien habe ich mich endlich wieder wie ein richtiger Mensch gefühlt«) erreichten die Brüder das bayerische Passau nur 18 Tage nach Mohammed Ghunaims Aufbruch in Damaskus. Mit dem Zug reisten die Brüder weiter nach Köln. »Der Anblick des Doms hat uns sehr beeindruckt. Wir lagen uns in den Armen und haben gelacht wie kleine Kinder«, sagt der 25-Jährige.

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Bild links: Mohammed Ghunaim im Flüchtlings-Camp in Slowenien: 1500 Menschen warten unter freiem Himmel auf ihre Registrierung. 

Bild mitte: Am Bahnhof: Die Gruppe mit Mohammed Ghunaim (links) und seinem Bruder Abdullah (vorne rechts) wartet auf den Zug nach Kroatien. 

Bild rechts: Ghunaim ist in Wien angekommen, hinten der Stephansdom.

 

Von Köln ins Eggetal
In Köln trafen die Brüder durch Zufall ihren Cousin Yamen (24), der ebenfalls geflüchtet war. Sie setzen ihre Reise zu dritt fort. Sie kamen in Aufnahmezentren in Dortmund, Selm und Moers. In Münster wurden sie als Flüchtlinge registriert. Anschließend verlegten die Behörden die drei Syrer nach Preußisch Oldendorf, zuletzt kamen sie in ein kleines Haus im Eggetal. Dank der Hilfe des Vereins »Asyl Pro« konnten sie erste Kontakte knüpfen. Im Begegnungscafé des Vereins berichtete das Trio von seiner Flucht. »Die Deutschen, die ich bislang kennengelernt habe, sind sehr nett und hilfsbereit, sagt Mohammed Ghunaim. Dafür empfänden er und seine Verwandten große Dankbarkeit.

Zukunftspläne
Mohammed Ghunaim will sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen. Er lernt jeden Tag vier Stunden Deutsch. »Sprache ist das Entscheidende für mich«, sagt er. »Mein  deutscher Lieblingssatz ist "›Man lernt nie aus"‹. Im Januar beginnt er als Freiwilliger beim DRK. Er hofft auf eine Festanstellung. Auch eine Arbeit als Journalist kann er sich vorstellen. »Natürlich vermissen Abdullah, Yamen und ich unsere  Familie. Wir halten aber so gut es geht Kontakt.« Besonders oft denkt Mohammed Ghunaim an seine Mutter Amal. Er hofft darauf, sie und seinen Vater eines Tages wiederzusehen.

www.ak-asylpro.de

Kennenlernen-Treffen im Gemeindehaus.

Nachdem jetzt auch in Börninghausen  mehr geflüchtete Menschen Zuflucht finden, fand am 09.12.2015 im Gemeindehaus ein Kennenlernen-Treffen statt. Eingeladen waren alle Börninghauser, um die neuen Bewohner kennen zu lernen.

Die Resonanz war begeisternd. Die Räumlichkeiten des Gemeindezentrum waren kurz vorm Platzen. Aber: Alle hat es gefeut, Namenlose bekamen ein Gesicht, ein Lachen und eine Stimme. Bei Keksen, Kaffee und Tee wurde ein erster gemeinsamer schöner Abend verbracht - und alle waren sich einig darüber, dass es nicht der Letzte war.

Fotos: Tom Neumann

Eggetal Neue Nachbarn 1 2015Eggetal Neue Nachbarn 2 2015

Ehemalige Gründungsmitglieder wieder im Vorstand des Fördervereins Eggetaler Kids.

Am 15. Dezember traf sich der neu bestellte Vorstand des Fördervereins „Eggetaler Kids“ im AWO Familienzentrum um den 40 Kindergartenkindern die traditionellen Weihnachtspäckchen zu überreichen. Neben Obst und Schokolade erfreuten sich die Kinder in diesem Jahr über kleine Stempel.

Monique Kreimer als erste Vorsitzende freut sich über die Unterstützung des neuen Vorstandes.
Neu bestimmt wurden Antje Arndt als 2. Vorsitzende und Sven Becker als Kassierer. Agnes Meyer bleibt als Schriftführerin im Amt. „Frau Arndt und Sven Becker als ehemalige Gründungsmitglieder wieder für die Vorstandsarbeit gewinnen zu können, ist ein großer Vorteil. Beide sind dem Kindergarten und dem Eggetal sehr verbunden und kennen sich in der Vereinsarbeit gut aus.“

So sieht der Förderverein einem ereignisreichem Jahr entgegen. Geplante Aktionen sind eine Fahrt mit dem Kindergarten zum Pickertessen sowie ein Ausflug zum „Steckenpferd“ in Muckum. Im Spätsommer 2016 feiert der Förderverein das 10-jährige Bestehen. Zu diesem Ereignis sind die Vorstandsmitglieder bereits mit der Kindergartenleiterin Frau Kleffmann im Gespräch, um diesen runden Geburtstag entsprechend zu feiern.

 

Vorstand Eggetaler Kids 2015Kreimer Eggetaler Kids Weihnachtsgeschenke 2015

Bild links: Wurden neu in den Vorstand des Fördervereins "Eggetaler Kids" gewählt: (von links) Agnes Meyer (Schriftführerin), Rabea Kleffmann (Leiterin AWO-Familienzentrum), Monique Kreimer (1. Vorsitzende), Antje Arndt (2. Vorsitzende) und Sven Becker (Kassierer).

Bild rechts: Monique Kreimer überreicht den Kindern des AWO-Familienzentrums in Börninghausen die Geschenke.

Fotos: M.Kreimer

Grundschule wird für Flüchtlinge umgebaut: Eggetaler stellen kritische Fragen – und blicken nach vorn.

Die ehemalige Grundschule in Börninghausen wird zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut. Das hat der Sozial- und Jugendausschuss auf seiner Sitzung am Freitag in der Turnhalle Börninghausen beschlossen. Das Interesse der Bürger war groß. Während einer Unterbrechung hatten die Eggetaler Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich zu der geplanten Nutzung zu äußern.
 
SozAusS Eggetal 1 2015CornliaMueller
Großes Interesse in Börninghausen
Der Sozialausschuss und Bürgermeister Marko Steiner stellen die Pläne zum Umbau der Grundschule vor.
 
Wenig überraschend brachen auch einige nicht verheilte Wunden wieder auf. Die für viele Eltern überstürzte Schließung der Schule im Sommer ist im Eggetal immer noch umstritten: „Das Engagement und die Kreativität, die Sie jetzt an den Tag legen, die hätte ich mir beim Erhalt der Schule gewünscht“, kritisierte Thorsten Bunde. Mike Schwarz äußerte sein Unverständnis darüber, dass einerseits 50.000 Euro durch die Schließung der Schule eingespart werden sollten, nur um jetzt 140.000 Euro für den Umbau auszugeben. SozAusS Eggetal Schwarz 2015CornliaMueller„Wo kommt das Geld plötzlich her?“ Die Enttäuschung gipfelte in der Unterstellung, man habe die Eltern bewusst getäuscht und die Nachnutzung des Gebäudes zur Flüchtlingsunterbringung schon bei der Schließung der Schule im Sinn gehabt.
Der Eggetaler Mike Schwarz kritisierte, dass der „ganz große Wille“ zur Schulerhaltung nicht erkennbar gewesen sei.
Verwaltung und Rat widersprachen energisch: „Wir sind von den Ereignissen überrollt worden,“ erklärte Bürgermeister Steiner. Die Stadt habe keine Wahl: „Wir werden von oben verpflichtet, die Flüchtlinge unterzubringen.“ Sparsamer als durch die vorgelegten Pläne sei das nicht möglich. Eine schlecht ausgestattete Massenunterkunft oder gar die Unterbringung in Zelten sei keine Alternative: „Das verursacht nur mehr Probleme und damit mehr Kosten. Wir wollen die Flüchtlinge so menschenwürdig unterbringen wie möglich und sozialen Frieden in der Unterkunft haben.“
SozAusS Eggetal Lang 2015CornliaMuellerHans Werner Lang, bei der Stadt Preußisch Oldendorf für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig, bestätigte, dass sich die Unterbringung in überschaubaren Gruppen bewährt habe. In der Grundschule sollen nach dem Umbau, bei dem möglichst wenig in die Bausubstanz eingegriffen werden soll, bis zu 40 Flüchtlinge leben können, erläuterte Siegfried Spanehl vom Gebäudemanagement der Stadt. Die Klassenräume werden in Leichtbauweise in Zimmer für eine Person oder zwei Personen unterteilt, hinzu kommen ein Gemeinschaftsraum und zwei Küchen. Da Duschmöglichkeiten fehlen, sollen Sanitär-Container aufgestellt werden.
Betreuer Hans Werner Lang informierte über die derzeitige Flüchtlingsunterbringung in Preußisch Oldendorf.
Fotos: C.Müller
Der Umbau soll möglichst schnell über die Bühne gehen. „Wenn alles gut geht, könnten die Räume im Januar 2016 bezugsfertig sein“, kündigte Bürgermeister Steiner an.

Mit der Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft in der Grundschule Börninghausen – das einzige zur Zeit ungenutzte städtische Gebäude – behalte die Gemeinde das Heft des Handelns in der Hand: „Ich möchte in Preußisch Oldendorf keine überstürzte Unterbringung, wie wir sie in Lübbecke gehabt haben,“ betonte Hannelore Lösche (Bündnis 90/Die Grünen). Diese Ansicht wurde von den übrigen Ausschussmitgliedern geteilt. Einstimmig (bei einer Enthaltung) sprach sich der Sozialausschuss für die Nutzung der Grundschule als Flüchtlingsunterkunft aus. Für wie lange, bleibt offen – länger allerdings, als die zwölf Wohnungen, die die Stadt momentan zur dezentralen Unterbringung angemietet hat: „Wir glauben nicht, dass sich die Flüchtlingssituation so schnell entspannen wird“, sagte Iris Pfeiff (SPD). „Falls ja, gehen wir natürlich davon aus, dass die Mietobjekte aufgegeben werden und eigene Gebäude genutzt werden.“

Unüberhörbar war trotz aller kritischer Nachfragen die generelle Bereitschaft der Bürger, die zu erwartenden Flüchtlinge möglichst selbstverständlich in das Dorfleben von Börninghausen zu integrieren. Man habe sich in der Kirchengemeinde und in den Vereinen zu diesem Thema bereits viele Gedanken gemacht, sagte Pfarrerin Hilke Vollert. Dr. Robert Rae und seine Frau Bettina sahen hier sogar ganz handfeste Chancen: „Wenn man Ideen entwickelt, wie man Beschäftigungsmöglichkeiten für die Flüchtlinge schafft, könnte man damit das Eggetal gleichzeitig aufwerten. Denkbar wäre zum Beispiel ein Laden-Projekt.“

Umbau des Börninghauser Gebäudes / Thema wird am 25. September mit Bürgern diskutiert.

Im derzeit leer stehenden Grundschulgebäude in Börninghausen sollen ab kommendem Jahr Asylbewerber untergebracht werden. Bürgermeister Marko Steiner bestätigte jetzt, dass es derartige Planungen gibt. Das Thema steht auf der Tagesordnung für die nächste Sitzung des Sozial- und Jugendausschusses am Freitag, 25. September, um 17 Uhr in der Turnhalle Börninghausen. Hier sollen Bürger detailliert informiert werden.

 

Grundschule Boerninghausen 2015 Ingrun Waschneck

 Steht derzeit leer

Die letzten Schüler sind im Juni aus dem Schulgebäude in Börninghausen ausgezogen. Hier sollen im kommenden Jahr bis zu 40 Flüchtlinge untergebracht werden, so der Plan. Foto: Ingrun Waschneck

Denn auch Pr. Oldendorf stößt bei der Unterbringung von Flüchtlingen an seine Grenzen: Es habe keine direkte Aufforderung der Bezirksregierung gegeben, ein größeres Gebäude im Stadtgebiet bereit zu stellen, sagte Bürgermeister Marko Steiner im Gespräch mit der NW. Aber man schätze, dass bis zum Jahresende etwa 170 Asylbewerber in Pr. Oldendorf untergebracht werden müssen. Insofern sei eine solche Nachnutzung des Schulgebäudes in Börninghausen unausweichlich. Denn das Angebot auf dem freien Wohnungsmarkt sei in absehbarer Zeit erschöpft, so Steiner. "Wir können es uns nicht leisten, da ein öffentliches Gebäude leer stehen zu lassen", sagt Steiner. Man sei immer noch froh und dankbar über jedes Angebot auf dem privaten Wohnungsmarkt. Er hofft, dass die derzeitige Welle der Hilfsbereitschaft nicht abreiße und Initiativen wie der Arbeitskreis Asyl in Pr. Oldendorf auch nach Börninghausen überschwappten.

In den Schulräumen in Börninghausen könnte Wohnraum für bis zu 40 Flüchtlinge geschaffen werden, so die groben Planungen. Sie sollen so untergebracht werden, dass jedem - anders als derzeit in den Turnhallen, die als Notunterkünfte dienen - auch noch ein wenig Privatsphäre bliebe. "Wir wollen unsere Flüchtlinge vernünftig unterbringen". Dazu ist ein geringfügiger Umbau des Gebäudes nötig. Toilettenanlagen sind in ausreichendem Maße vorhanden, aber es seien Sanitärcontainer für Duschen und Waschgelegenheiten nötig. Die Kosten würden sich nach derzeitiger Schätzung auf etwa 140.000 Euro belaufen. Demnach könne eine Unterbringung auch nicht "von heute auf morgen" vonstatten gehen, sondern frühestens nach dem Jahreswechsel, schätzt Steiner. Ihm sei es wichtig, dass man mit den Bürgern über das Thema ins Gespräch komme, um mögliche Ängste zu nehmen. Auch die Betreuung der Asylbewerber wird mit dem vorhandenen Personal langsam schwierig: So soll bei der Stadt noch eine weitere - diesmal befristete - Stelle für die Betreuung der Unterkünfte geschaffen werden.

Bereits am Montag hatten sich Vorstände der Börninghauser Vereine und Bürger getroffen, um über das Thema Flüchtlinge zu sprechen. Das Thema sei "positiv aufgenommen" worden, sagt Matthias Wessel von "Wir im Eggetal". Ehrenamtliche aus dem Arbeitskreis Asyl Pro hätten von Aktivitäten aus Pr. Oldendorf berichtet. Es sei ein erstes Brainstorming gewesen, um zu überlegen, wie man helfen kann und was die Vereine im Eggetal dafür tun können.

Grundschule soll offenbar Flüchtlingsunterkunft werden - genauer Zeitpunkt noch unklar.

AGrundschule Börninghausenm vergangenen Montag hatten sich ca. 25 eggetaler Bürger bei Grobstich's Sauna NEPTUN in Börninghausen-Masch versammelt. Sie waren einer Einladung der Dorfgemeinschaft WIR IM EGGETAL gefolgt, die alle Vereine und Institutionen im Tal in der vergangenen Woche kurzfristig per Mail erhalten hatten.

Hintergrund ist die aktuelle Flüchtlingssituation und die damit verbundenen Unterbringungsprobleme der Städte und Gemeinden, auch bei uns im Kreis Minden-Lübbecke.

"Angesichts der aktuellen Entwicklungen zur Flüchtlingssituation wird es immer wahrscheinlicher, dass auch bei uns im Eggetal in den nächsten Tagen oder Wochen Flüchtlinge untergebracht werden müssen" erklärt Sven Becker, zweiter Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, bei der Begrüßung der Vereinsvertreter.

"Es liegt nahe, dass diese Menschen dann im leerstehenden Grundschulgebäude untergebracht werden könnten. Der Platz würde möglicherweise für 30 bis 40 Personen reichen" so Becker weiter.

Um einen aktuellen Stand über die derzeitige Situation in Preußisch Oldendorf zu bekommen wurde auch der Betreuer für Asylbewerber Hans Werner Lang, Mitarbeiter der Stadtverwaltung,  eingeladen. Dieser konnte aber leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Ebenfalls eingeladen und auch anwesend waren Natascha Pieper vom Arbeitskreis ASYL PrO und Pfarrer Steffen Bäcker. "Damit wir nicht völlig unvorbereitet sind, wenn die Flüchtlinge eintreffen, haben wir Sie eingeladen, um gemeinsam mit uns zu überlegen wie wir mit der Situation angemessen umgehen", so Sven Becker.

 

Infoabend WIE Sept 2015

Vertreter der eggetaler Vereine und Institutionen sprachen mit Angehörigen des AK ASYL PrO über mögliche Hilfe und Ünterstützung für die erwarteten  Flüchtlinge. Foto: Matthias Wessel

 

Unter den Anwesenden war auch das eggetaler Ratsmitglied Holger Petersmann von der UEB. Er machte deutlich, dass er keinen offiziellen Auftrag durch den Rat der Stadt habe. "Als Eggetaler Bürger ist es mir wichtig, die weitere Entwicklung zu begleiten und um Verständnis für die Situation zu bitten." Petersmann erläuterte kurz die Zahl der Asylbewerber der vergangenen Jahre, die von 16 Personen im Jahr 2011 auf aktuell über 150 Flüchtlinge angestiegen sei. "Anhand dieser Zahlen und der täglichen Ankunft neuer Flüchtlinge im Stadtgebiet ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann wir auch im Eggetal Flüchtlinge beherbergen werden", sagt Petersmann deutlich.

"Der Bedarf für das Gebäude wird sicher über mehrere Jahre bestehen. Wir werden immer Gäste haben" so Petersmann weiter. Lilo Stollmann erinnerte daran, dass in den 90er Jahren schon einmal Flüchtlinge in der Schule untergebracht waren.

Auf die Frage was denn mit der Turnhalle passieren wird, erklärte das Ratsmitglied, dass es sicherlich sinnvoller wäre, diese zur Integration durch gemeinsame sportliche Aktivitäten zu nutzen als mit Betten oder ähnlichem zu belegen. "Wenn der Raumbedarf akut wird, dann müsste der Gebäudekomplex der Grundschule für eine Funktion als Übergangswohnheim hinsichtlich der Kochgelegenheiten und Sanitäranlagen ohnehin ergänzt oder erweitert werden."
Seitens der Stadt ist eine öffentliche Sitzung des Sozialausschusses geplant, um die Eggetaler Bürger über den aktuellen Stand zu informieren.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung berichtete Natascha Pieper von ihren Erfahrungen mit den Asylbewerbern. "Es handelt sich hier nicht um Bedürftige. Diese Leute sind mitten aus ihrem Leben gerissen worden. Sie hatten Arbeit, Besitz und Familie. Wichtig ist erstmal, dass diese Menschen Ruhe und etwas zu Essen haben, nachdem was sie bisher alles durchmachen mussten." macht Pieper deutlich.

Die Einbindung der Flüchtlinge in unsere Gesellschaft ist ebenfalls ein Punkt der eine große Rolle spielt. Unterstützung durch den SVE oder den ETC könnte hier beispielsweise so aussehen, dass die Gäste am Fußball-, Tischtennis- oder Tennistraining teilnehmen. Auch der Kindergarten könnte die Betreuung der Kinder organisieren. An dieser Stelle gab Frau Kleffmann, Leiterin des Familienzentrums zu bedenken, dass in der Einrichtung eigentlich schon alle Plätze belegt sind. Hier müsste die Stadt mit der AWO als Träger in Kontakt treten.

Auch Themen wie Sprachbarrieren und Umgang mit Konflikten wurden angesprochen. "Am besten ist es, wenn man einfach auf die Menschen zugeht" weiß Pieper. Hierzu haben interessierte Bürger jeden Mittwoch von 16-18 Uhr Gelegenheit. Im evangelischen Jungendzentrum in der Spiegelstraße 4 in Preußisch Oldendorf veranstaltet der Arbeitskreis ASYL PrO einen soziokulturellen Treff, der Raum und jedem die Möglichkeit bietet mit Asylbewerbern in Kontakt zu treten, sich auszutauschen und zu erfahren woher sie kommen und welche Hilfe sie benötigen. "Ein solcher Treffpunkt wäre auch im Gemeindehaus in Börninghausen denkbar" regt Pfarrer Steffen Bäcker an.

"Wir freuen uns, dass dieser Infoaustausch so positiv aufgenommen wurde" resümiert Sven Becker.  "Das wird sicherlich eine große Aufgabe, die wir von der Dorfgemeinschaft und von Vereinen und Institutionen gerne bereit sind anzugehen."

 
 
INFO:
Am Freitag, den 25.09.2015 ab 17 Uhr wird der Sozialausschuss der Stadt Preußisch Oldendorf in der Turnhalle der Grundschule Börninghausen seine Sitzung für alle interessierten eggetaler Bürger hinsichtlich der Grundschule als Flüchtlingsunterkunft veranstalten.

 
 EINLADUNG
Einweihung Übergangswohnheim Sept 2015
 

Heute ist der letzte Tag an der Grundschule Börninghausen – Inventar wird ausgeräumt.

An den Fenstern hängen Schilder und Buchstaben. Zu lesen sind Aussagen wie »Es war schön«, »Schade« und »Time to say Goodbye«. Mit diesen Worten nehmen die Kinder der Grundschule Börninghausen Abschied von ihrer Dorfschule. Sie schließt. Nicht nur für die Ferien. Sie schließt für immer.

 

2015 06 26 Tschüss KaiWessel

An den Händen ihrer Mutter Sibylle Kolax verlassen Jonah (links) und Isabella (rechts) die Grundschule. Ihre Stühle kommen mit. Foto Kai Wessels

 

Heute, am 26. Juli 2015, wird ein Kapitel Dorfgeschichte in Börninghausen geschlossen. Bis ins 18. Jahrhundert reicht die Geschichte der Schule zurück. Damals wurde der Schulmeister noch mit Eiern bezahlt. Eier gibt es noch genug in Börninghausen. Weil es aber an Kindern fehlt, hat der Rat der Stadt Preußisch Oldendorf trotz heftiger Proteste beschlossen, dass die Schule dicht gemacht wird.

Heute ist es nun soweit. Zur »Feier des Tages« hält Heidi Freudenstein, Leiterin des Grundschulverbundes Preußisch Oldendorf, eine Rede. Sie wird Lehrern, Eltern und Kindern für die gute Zusammenarbeit danken. Viele der Schüler und Schülerinnen werden nach den Ferien in Preußisch Oldendorf zur Schule gehen.
Vor diesem Wechsel müsse niemand Angst haben, sagt Heidi Freudenstein: »Die Kinder aus Börninghausen waren schon bei unserem großen Schulfest dabei und konnten sich alles ansehen.« Sie ist zuversichtlich, dass die Integration der 1e und 2e (das »e« steht für das Eggetal) gelingen wird.

Mit den Schülern wechseln auch die Börninghauser Lehrer nach Preußisch Oldendorf. Das soll ebenfalls dazu beitragen, den Wechsel zu erleichtern. Schon gestern war an normalen Unterricht in Börninghausen nicht mehr zu denken. Auf dem Stundenplan stand Kunst. Die Kinder durften ihre Stühle bemalen und mit nach Hause nehmen. Isabella (8) aus der 2e malte ein Blumenmotiv.

Genau dorthin, wo sonst ihre vier Buchstaben sitzen. »Der Stuhl kommt in mein Zimmer.« Dort wird sie der Stuhl immer an ihre Schulzeit in Börninghausen  erinnern. Es war eine schöne Zeit, wie Isabella und ihre Mutter Sibylle Kolax (40) sagen. »Hier war alles so klein und familiär. Das war schon etwas ganz Besonderes.«

Nicht nur die Stühle der Grundschule verschwinden. Heute werden die Kinder ihre Klassenräume auf- und leer räumen. »Es kommt ein Wagen vom Bauhof, der alles abtransportiert«, sagt Heidi Freudenstein. An den Unterrichts-Tischen haben bereits einige Eltern Interesse angemeldet. Sie sind gegen eine kleine Spende zu haben. Schlussverkauf im Eggetal.

Einige Fragen bleiben offen. Was mit den Tafeln passieren könnte, steht noch nicht fest. Noch völlig unklar ist, was mit dem Gebäude passiert. Der Heimat- und Verkehrsverein hat bei Bürgermeister Marko Steiner vorgesprochen. Eine konkrete Idee für eine Nachnutzung gibt es noch nicht. Dass das Gebäude in den nächsten Jahren ungenutzt im Dorfkern steht und langsam aber sicher verfällt, das will keiner in Börninghausen.

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