Heute ist der letzte Tag an der Grundschule Börninghausen – Inventar wird ausgeräumt.

An den Fenstern hängen Schilder und Buchstaben. Zu lesen sind Aussagen wie »Es war schön«, »Schade« und »Time to say Goodbye«. Mit diesen Worten nehmen die Kinder der Grundschule Börninghausen Abschied von ihrer Dorfschule. Sie schließt. Nicht nur für die Ferien. Sie schließt für immer.

 

2015 06 26 Tschüss KaiWessel

An den Händen ihrer Mutter Sibylle Kolax verlassen Jonah (links) und Isabella (rechts) die Grundschule. Ihre Stühle kommen mit. Foto Kai Wessels

 

Heute, am 26. Juli 2015, wird ein Kapitel Dorfgeschichte in Börninghausen geschlossen. Bis ins 18. Jahrhundert reicht die Geschichte der Schule zurück. Damals wurde der Schulmeister noch mit Eiern bezahlt. Eier gibt es noch genug in Börninghausen. Weil es aber an Kindern fehlt, hat der Rat der Stadt Preußisch Oldendorf trotz heftiger Proteste beschlossen, dass die Schule dicht gemacht wird.

Heute ist es nun soweit. Zur »Feier des Tages« hält Heidi Freudenstein, Leiterin des Grundschulverbundes Preußisch Oldendorf, eine Rede. Sie wird Lehrern, Eltern und Kindern für die gute Zusammenarbeit danken. Viele der Schüler und Schülerinnen werden nach den Ferien in Preußisch Oldendorf zur Schule gehen.
Vor diesem Wechsel müsse niemand Angst haben, sagt Heidi Freudenstein: »Die Kinder aus Börninghausen waren schon bei unserem großen Schulfest dabei und konnten sich alles ansehen.« Sie ist zuversichtlich, dass die Integration der 1e und 2e (das »e« steht für das Eggetal) gelingen wird.

Mit den Schülern wechseln auch die Börninghauser Lehrer nach Preußisch Oldendorf. Das soll ebenfalls dazu beitragen, den Wechsel zu erleichtern. Schon gestern war an normalen Unterricht in Börninghausen nicht mehr zu denken. Auf dem Stundenplan stand Kunst. Die Kinder durften ihre Stühle bemalen und mit nach Hause nehmen. Isabella (8) aus der 2e malte ein Blumenmotiv.

Genau dorthin, wo sonst ihre vier Buchstaben sitzen. »Der Stuhl kommt in mein Zimmer.« Dort wird sie der Stuhl immer an ihre Schulzeit in Börninghausen  erinnern. Es war eine schöne Zeit, wie Isabella und ihre Mutter Sibylle Kolax (40) sagen. »Hier war alles so klein und familiär. Das war schon etwas ganz Besonderes.«

Nicht nur die Stühle der Grundschule verschwinden. Heute werden die Kinder ihre Klassenräume auf- und leer räumen. »Es kommt ein Wagen vom Bauhof, der alles abtransportiert«, sagt Heidi Freudenstein. An den Unterrichts-Tischen haben bereits einige Eltern Interesse angemeldet. Sie sind gegen eine kleine Spende zu haben. Schlussverkauf im Eggetal.

Einige Fragen bleiben offen. Was mit den Tafeln passieren könnte, steht noch nicht fest. Noch völlig unklar ist, was mit dem Gebäude passiert. Der Heimat- und Verkehrsverein hat bei Bürgermeister Marko Steiner vorgesprochen. Eine konkrete Idee für eine Nachnutzung gibt es noch nicht. Dass das Gebäude in den nächsten Jahren ungenutzt im Dorfkern steht und langsam aber sicher verfällt, das will keiner in Börninghausen.